Interviews

Interview mit der Eurythmistin Sieglinde Lehnhardt Wir hatten Sieglinde Lehnhardt um ein Gespräch gebeten. Am 15. Oktober 2002 erwartete sie uns in ihrem hellen, geräumigen Wohnzimmer - gross genug um Eurythmie üben zu können. Bei einer Tasse Kaffee entspann sich schnell eine angeregte Unterhaltung.

Geboren wurde ich in Dresden. Von guten Geistern aber bald nach Norddeutschland, nach Kiel geführt, sonst wären wir in den furchtbaren Bombenangriff auf Dresden gekommen. Später habe ich die Waldorfschule in Rendsburg besucht. Meine Eurythmielehrerin sah eine Begabung für die Bewegungskunst und schickte mich mit 18 Jahren nach Dornach zu Lea van der Pals.

Wann kamen Sie denn an die Bühne?
Direkt nach der Ausbildung war ich dann von 1960 bis zum 1. Januar 2000 an der Goetheanumbühne tätig. Die ersten zwölf Jahre unter der Leitung von Marie Savitch, danach 7 Jahre unter der Leitung von Lea van der Pals. Nach der Zusammenlegung der beiden Bühnengruppen wechselten dann die Leitungspersönlichkeiten immer rascher.
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Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Eurythmie?
Ich habe eine grosse Bitte an viele Eurythmisten: Denkt daran, über die Rampe, zu den Zuschauern zu kommen mit dem, was ihr sagen möchtet, und tut dies mit offenen Augen und Herzen. Denn Langeweile ist das schlimmste in einer Eurythmieaufführung, daher ist von grosser Wichtigkeit: Das Was bedenke, mehr bedenke wie.

 


Interview mit der Eurythmistin Erna Rüegger-Meuter

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Was können Sie den Eurythmisten empfehlen, wie können sie im Künstlerischen drin bleiben?
Geben Sie Kurse. Dadurch verbinden wir uns mit den Menschen. Indem wir versuchen, unser Bestes zu geben, können wir auch wahrnehmen, wie reich wir selbst beschenkt werden. Manchmal nimmt man auch Fehler auf, diese sollten dann für alle durch die eigene Arbeit wieder ins Lot gebracht werden.
Auf welchem eurythmischen Gebiet wir auch arbeiten, das wichtigste ist, immer ein Stück in Arbeit zu haben, immer wieder die Gelegenheit zu suchen, gemeinsam mit Kollegen künstlerisch zu arbeiten.

Was haben Sie für eine Vision für die Eurythmie? Was dürfen wir nicht verlieren?
Was auf keinen Fall verloren werden darf, ist der Wille, immer wieder von vorne anzufangen. Immer wieder das I A O, die Evolutionsreihe, Tierkreis, Planeten, Intervalle. Das Ätherische ist das Reich der Wiederholungen und der Wahrnehmungen. Und dann: bei Rudolf Steiner bleiben! Seinem Impuls die Treue halten, das ist das Wichtigste!
Im Eurythmieunterricht sollten wir immer versuchen, die Anthroposophie mit einzubeziehen.
Heute glauben einige, die Eurythmie müsse von dem "Oberbau der Anthroposophie" befreit werden!
Aber die Anthroposophie und die Eurythmie sind eine Einheit. Wir haben noch zehn Jahre Zeit, dann werden wir sehen, wo wir 100 Jahren nach den Anfängen der Eurythmie stehen.
Die Aufforderung von Rudolf Steiner, sein Werk nicht von seinem Namen zu trennen, gilt selbstverständlich auch für die Eurythmie.